Geschichtlicher Überblick

Geschichte

Guérande war die Lieblingsstadt der Herzöge der Bretagne und dominiert über zwei sehr unterschiedliche Landschaften. "Pays Blanc", das weisse Land des Salzes und der Salzmoore und "Pays Noir", das schwarze Land des Torfs und dem Naturpark von Brière.

Guérande bezauberte bereits berühmte Schriftsteller wie Flaubert und vor allem Balzac.

Porte vannetaise à Guérande

Guérande und die dazugehörige Halbinsel sind der Neusteinzeit besiedelt, wie die beeidruckenden, noch sichtbaren  Megalithen und die zahlreichen archäologischen Ausgrabungsstätten aus der gallischen und der galloromanischen Zeit bezeugen.

Die Gründung einer Pfarrgemeinde wird traditionell auf Waroc'h (577-594), einem Prinz aus Vannes zurückgeführt, der ein Taufbecken im heutigen Chorraum der Stiftskirche St. Aubin errichtet haben soll. Um 848, unter der Herrschaft von Nominoë, wird die Satdt zum vorrübergehenden Bischofssitz und anschliessend erfolgt die Gründung einer Kanonikerschule, die dem bretonischen König Salomon zugeschrieben wird.

Nach dem Jahr 1000 ermöglicht der Bau einer Festungsanlage die Entstehung einer befestigten Markstadt (bourg castral) und markiert gleichzeitig den Beginn einer politischen und verwaltungstechnischen Ordnung. Die anfänglichen Verteidigungsanlagen sind jedoch unzureichend, um den 1342 einfallenden französischen und spanischen Truppen, Verbündete von Charles de Blois gegen Jean de Montfort, dem Thronwärter der Bretagne, standzuhalten.

Die 1365 und 1381 unterzeichneten Verträge setzen dem Erbfolgekrieg ein Ende und eben den Weg für das goldene Zeitalter von Guérande gegen Ende des Mittelalters. Die Markstadt entwickelt nun mit Schwerpunkt auf Salz- und Weinhandel und besitzt eine bedeutende Handelsflotte.  
Zum Ende des 16. Jahrhundert verliert die Stadt aufgrund der zunehmenden Versandung der Hafenanlagen und der schwindenden Bedeutung des Salzes als Tauschmittel seine Vormachtstellung zur See zugunsten von Le Croisic und Le Pouliguen. 
Das Verschwinden der Rebstöcke und die Unterdrückung der Kanonikerschule während der französischen Revolution schwächen Guérande weiterhin, bevor die Stadt durch Tourismus und andere Wirtschaftszweige einen neuen Aufschwung erlebt. 

Die Befestigungsanlagen

Porte Saillé - Fortifications de Guérande

Im Jahre 1343, nach der Zerstörung von Guérande durch die Truppen von Charles de Blois, befielt Jean de Montfort den Bau von schweren Befestigungsanlagen. Die Arbeiten beginnen einige Zeit später und dauern mehr als ein Jahrhundert, wobei sich die Architektur dem ständigen Fortschritt der noch in den Kindershuhen stehenden Artillerie anpasst.

Die Befestigungsmauern erstrecken sich über 1333 m und werden von vier Toren unterbrochen (St Michel im Osten, Vannetaise im Norden, Bizienne im Westen und Saillé im Süden).

1848 entsteht ein weiteres Tor im südwestlichen Teil der Mauer: La Poterne du Tricot.

Seit 1877 stehen die Befestigungsanlagen unter Denkmalschutz.

Die Stiftskirche "La Collégiale Saint Aubin"

crédit photo Fasuto Giaccone

Über die historishen Gebäude, die seit dem Taufbecken des Prinzen Waroc'h entstanden sind, ist wenig bekannt. Die Kirche ist nach St. AUbin benannt, der im 6. Jahrhundert Bischof von Angers war und von der Halbinsel stammte. Im 9. Jahrhundert macht König Salomon sie nach Gründung eines Kanonikerkapitel zur Stiftskirche. Sie wird um das Jahr 1200 umgebaut, wovon die romanischen Säulen im Schiff zeugen. Während der bretonischen Erbfolgekriege erleidet die Stiftskirche bedeutende Schäden. 1365 wird sie zum Anlass der Unterzeichnung des ersten Friedensvertrags restauriert. Es folgen verschiedene Bau- und Möblierungsphasen, die bis ins 18. Jahrhundert andauern: Chor und Apsis (15.-16. Jahrhundert), barocker Altar und Chorstuhl (17. Jahrhundert).
Aber kaum sind diese gewaltigen Arbeten vollendet, gerät die Kirche in die Wirren der Revolution? Sie erleidet jedoch, mit Ausnahme der Fenster, nur geringen Schaden. Die Revolution zieht dennoch bedeutende strukturelle Veränderungen nach sich. 1792 wird ihr der Status Stiftstkirche entzogen und die Kanoniker gehen nach Spanien ins Exil. 

Ab 1840, nach der Gründung der Nationalen Kommission für historische Denkmäler, wird die Kirche als solches klassifiziert. Die vom Architekt Bourgerel unternommen, viel zu ehrgeizigen Arbeiten führen leider 1876 zum Einsturz der Westfassade. Danach wird Eugène Boismen mit dem originaltreuen Wiederaufbau beauftragt.

Zu sehen

  • Die äussere Kanzel aus dem 15. Jahrhundert, rechts vom Westtor.
  • Das so genannte Taufbeckenportal im Süden aus dem 15. Jahrhundert, wo die ersten Renaissance- Verzierungen entstanden.
  • Die romanischen Säulen des Mittelschiffs, die von den Kapitellen mit pflanzlichen oder historischen Motiven überragt werden.
  • Die Chorgestüle aus Holz (1650).
  • Die zahlreichen Glasmalereien, vom 14. Jahrhundert (vitrail de St Pierre) bis dem 19. Jahrhundert.
  • Die romanische Krypta.
  • Die zahlreichen Kapellen.
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